Andacht Oktober 2019 


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Am Ende dieses Monats, am 31. Oktober, werden wir das Gedenken an den Beginn der Reformation im Jahr 1517 durch Martin Luther in Wittenberg begehen. Damit besinnen wir uns einerseits auf unsere Geschichte als evangelische Kirche. Auf der anderen Seite sind wir uns aber auch bewusst, dass zum Reformationstag auch der Blick in die Zukunft gehört.

Als Kirche in den unterschiedlichen Regionen und mit den unterschiedlichen Prägungen, die diese Vielfalt mit sich bringt, sind wir uns bewusst, dass wir - anders als das weltliche Organisationen können - uns nicht auf uns selber beziehen. Bezugspunkt unseres Handelns, unseres Seins und damit auch unseres Nachdenkens über die Zukunft von Kirche in dieser Welt ist Jesus Christus.

Entsprechend lautet auch der Bibelvers, der dem diesjährigen Reformationstag die Richtung weist: „Ein anderes Fundament kann niemand legen als das, das schon von Gott gelegt ist. Das Fundament ist Jesus, der Messias.“ (1. Korinther 3, 11)

Unsere Zeit und die damit verbundenen Lebensumstände ändern sich in rasantem Tempo. Die Digitalisierung schreitet so schnell fort, dass wir uns auch als Kirche bemühen müssen, nicht den Anschluss zu verlieren. Das betrifft generell unsere Kommunikation, und damit die Art und Weise, wie wir unsere Arbeit in der Gemeinde vermitteln und gestalten. 

Am Anfang meiner Zeit hier auf Lanzarote habe ich mich bewusst entschieden, nicht nur wie bisher ab und zu, sondern konsequent in Gottesdiensten, Andachten und Bibelarbeiten die Bibelübersetzung zu gebrauchen, die 2006 das erste Mal erschienen ist, seitdem in Neuauflagen verbessert wurde und von einer ganzen Gruppe von Theologinnen und Theologen herausgegeben wird: Die Bibel in gerechter Sprache. Auch wenn die Lutherübersetzung inzwischen neu herausgegeben wurde und auch die Zürcher Bibel für die reformierten Kirchen eine Neuauflage erfahren hat, ich finde, dass die Bibel in gerechter Sprache eine Form bietet, die dem Anspruch der Reformation, dass wir Kirche sein müssen, die sich ständig verändert, teilweise auch radikal, am besten gerecht wird.

Warum? Zum einen wird konsequent die Rolle von Frauen und Männern gleichberechtigt übersetzt. Gerechtigkeit ist außerdem nicht nur auf die Rolle der Geschlechter begrenzt, sondern soll, wie die Verfasserinnen und Verfasser schreiben, ‚Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem christlich-jüdischen Dialog aufnehmen und für die soziale Dimension der Texte sensibilisieren.‘ Zum anderen, und das scheint in allen Texten der Bibel durch, der Gottesname wird als nicht übersetzbar begriffen. Darum werden unterschiedliche Gottesnamen verwendet (z.B. ‚die Lebendige’, ‚Adonaj’, ‚der Ewige’, ‚Gott’) als Ausdruck davon, dass Gott von uns nicht in Worte gefasst oder in einen Namen gepresst werden kann. 

Wenn sich also auf der einen Seite, wie oben erwähnt, unsere Gesellschaft rasant verändert und weiterentwickelt, dann gelten auf der anderen Seite gerade und besonders die Werte weiterhin, die unser christliches Leben ausmachen: das Vertrauen auf Gott, die Achtung vor dem anderen Menschen, aber genauso die Bewahrung und Erhaltung unserer Natur und Umwelt. 

Dieses kann meiner Meinung nach nur so vermittelt werden, dass wir schon im Lesen und Vorlesen der biblischen Texte deutlich machen, dass wir uns diesen Werten nicht nur verpflichtet fühlen, sondern sie auch unserer Zeit entsprechend ausdrücken. Darum habe ich mich entschlossen, die Bibel in gerechter Sprache zu verwenden. Das Fundament aller Entscheidungen ist dabei Jesus, der Messias. 

Ich wünsche uns, dass wir uns davon leiten lassen. Als Kirche, als Gemeinde hier auf Lanzarote, als einzelne - nicht doktrinär, sondern offen, kommunikativ und uns im ständigen Gespräch miteinander austauschend. 

Ihr Dr. Dr. Detlef Schwartz
Tourismuspfarrer auf Lanzarote

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