Andacht Januar 2020 / Jahreslosung



Liebe Freunde, liebe Leserin, lieber Leser!

Was ja klingt wie ein überlegter Satz, dahingesprochen aus einem Moment der Ruhe und Besinnung heraus, ist, so berichtet es Markus, der Aufschrei eines Vaters, der sich nicht mehr zu helfen weiß angesichts der Krankheit seines Sohnes. 

Dem Sohn, an Epilepsie erkrankt, und wohl schon ein junger Erwachsener, konnte bisher keiner derer, die zu Rate gezogen worden waren, Linderung oder Heilung verschaffen. Der Vater muss wohl schon viel versucht haben und sieht als letzte Möglichkeit, sich an die Jüngerinnen und Jünger Jesu zu wenden. Doch auch diese scheitern an der Aufgabe. 

In einem dramatischen Wandel der Erzählung wird detailliert ein Anfall des Sohnes beschrieben und die Not, die sein Vater dabei empfindet. Jesus, der neu hinzukommt, und von dem Vater mit der Bitte konfrontiert wird, mit seiner Kraft, die ja größer sein muss als die der Jüngerinnen und Jünger, endlich zu helfen und seinem Sohn eine neue Lebensperspektive zu geben, verweist den Vater nicht auf die Fähigkeiten, die ihm zugesprochen werden, sondern auf einen seiner Meinung nach einzigen Weg, dem Sohn zu helfen, nämlich zu glauben. 

Erst im Nachspann der Erzählung, in einer Reflexionsphase, die Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern hat, wird dieser Glaube definiert. Denn bis dahin wird nicht gesagt, an wen oder was der Vater glauben muss, damit sein Sohn geheilt werden kann. Aber immerhin, der von ihm ausgerufene Satz vermittelt Jesus den Eindruck, dass er sich auf die Heilung des Sohnes einlassen kann, die dann auch erfolgreich beendet wird. Und in der erwähnten Reflexionsphase erklärt Jesus seiner ihm folgenden Gruppe, dass es um den Glauben an Gott gehe, präzisiert im Codewort „Gebet“. Wer also betet, der verlässt sich nicht auf sich selbst noch auf andere Menschen, sondern erklärt, dass die Macht zu helfen allein von Gott kommen kann.

Darin drückt sich aus, was uns, die wir das Jahr 2020 beginnen, mindestens innehalten lässt. Unsere Vorhaben, unsere Ziele, unsere Wünsche für das neue Jahr - sind sie nicht alle verbunden mit dem, was wir können, wir leisten, wir erreichen? Wer mag sich schon allein auf das Gebet verlassen?

In einer erstaunlichen Wendung unserer Erzählung bleibt am Ende offen, ob nicht zuerst Jesus gemeint ist, wenn von der Kraft des Gebetes gesprochen wird und nicht in erster Linie der Vater des Sohnes. Offensichtlich treffen sich beide, der Vater und genauso Jesus, in diesem Gebet. Beide können nichts anderes tun als darauf zu vertrauen, dass Gottes Geist neues Leben schenkt. 

Ich wünsche mir für mich, genau dieselbe Haltung zu praktizieren: Nicht von meinen Fähigkeiten oder Möglichkeiten zu sprechen, nicht auf mein Wissen oder meine Erfahrungen zu vertrauen, sondern meine Hände im Gebet zu falten und anzuerkennen, wie oft ich zweifle und lieber mir vertraue als der Kraft, dem Geist Gottes.

Wäre das ein Vorhaben für 2020, mit dem jeder Tag gefüllt wäre? Könnte ich mit diesem Vorhaben nicht allein sein, sondern die Gemeinschaft anderer erfahren, die ebenfalls als Zweifelnde trotzdem glauben? Würde sich in dieser Bewegung das Bild einer Kirche zeigen, die mitgeht, mitleidet, mitverurteilt wird, weil sie allein dem Gebet vertraut, und gleichzeitig ausdrückt, wie unvollkommen sie ist?

Ich wünsche uns ein gutes und gesegnetes Jahr 2020, in dem wir uns einladen lassen, die Kraft des Gebetes zu erfahren und dadurch neue Ufer zu entdecken!

Euer Tourismuspfarrer auf Lanzarote
Dr. Dr. Detlef Schwartz


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