Andacht Dezember 2019 


Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr uralten Pforten, dass der König der Ehre einziehe!

Diese Worte des Psalm 24, liebe Leserin, lieber Leser, sie markieren den Beginn einer neuen Zeit. Diese Zeit beginnt mit dem 1. Advent. In der christlichen Zeitrechnung beginnt mit diesem Sonntag ein neues Kirchenjahr. Eingeleitet wird dieses neue Jahr durch die Botschaft des Psalmisten, der uns aufruft, bereit zu sein für die Ankunft des HERRN Zebaoth. Christinnen und Christen haben es seit Jesus von Nazareth so interpretiert, dass mit diesen Versen das Kommen des auferstandenen und lebendigen Herrn angekündigt wird.

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Da bleibt kaum Zeit oder Gelegenheit, zu verweilen und eventuell trübsinnig oder gedankenvoll nach hinten, in die Vergangenheit zu schauen. Diese lässt uns sowieso nicht los, sondern macht uns zu denen, die wir sind. Aber hier, am 1. Advent, geht es darum, mit neuer Hoffnung und erneuerter Zuversicht bereit zu sein, dass sich unser Leben radikal neu ausrichtet. Und das Lied, das wir zum Beginn des Advent singen, “Macht hoch die Tür, die Tor macht weit”, dieses Lied drückt es so aus, dass wir uns auch gefühlsmäßig kaum dieser Wirkung entziehen können. Mit neuer Kraft, geradezu mit uns vorwärts treibender Energie, stimmen wir uns ein auf den Advent des Herrn, auf das Kommen Jesu in unser Leben, in unsere Welt.

Und so wie im alten Jerusalem die Tore der Stadtmauer aufgesperrt wurden, alle verfügbaren Pforten aufgemacht werden sollten, so sollen wir uns einstellen auf das Ereignis, dass den Lauf dieser Welt unwiederbringlich verändert hat: die Menschwerdung Gottes in der Geburt von Jesus von Nazareth. Während alle Welt dem Großen und Gewaltigen hinterher hechelt, sich einlullen lässt vom Popanz der schnellen, simplen und scheinbar rationalen Antworten auf die Probleme unserer Welt, entsteht im Stall von Bethlehem eine ganz andere Geschichte. Dort, am Rand einer Kleinstadt, in der Kälte und Unfreundlichkeit von fehlender Gastfreundlichkeit, beginnt der Weg der Menschheit eine andere, neue Richtung zu nehmen. 

Die Eltern, Maria und Josef, können - wie so oft auch unter uns - kaum voraussehen, welchen Weg ihr Sohn nehmen wird. Das, was sie ihm geben, Liebe und - soweit wie möglich - Schutz vor z.B. der Verfolgung durch Herodes, den Despoten damaliger Zeit, dessen Brutalität sich die heutigen Nacheiferer ebenfalls auf die Fahnen schreiben oder an ihre Mützen heften, diese Liebe und der Versuch, ihn zu schützen, lassen ihn schon früh erkennen, woran es den Menschen ringsherum mangelt: an Zuwendung und Erbarmen, statt Abgrenzung, Abschottung und kalter Rationalität.

So wie wir uns im Advent von der Ankündigung des Kommens Jesu aufrütteln lassen, genauso werden wir im Ereignis der Weihnachtsgeschichte an die Grundlagen unserer Gefühle geführt. Hier kommt uns Gott nahe. Nicht mit großer, und doch leerer Geste, sondern scheinbar schwach und hilflos in einem Kind. Aber genau hier werden wir auch eingeladen, uns so auf das Ereignis von Weihnachten einzulassen, dass wir nicht dieselben bleiben. Wir können, ohne uns etwas zu vergeben, uns dem Schwachen und Hilflosen zuwenden - in uns selber, aber genauso auch in anderen Menschen, und seien sie uns noch so fern.

Wer sich einladen lässt, darf auch Platz nehmen und mitfeiern. Das geschieht nicht nur an Weihnachten. Ein neues Jahr, 2020, ruft uns geradezu hinein in ein neues Geschehen. Eine Welt, Gesellschaften, Gemeinschaften und Kirchen, die sich, so wie wir auch, verändern müssen, um nicht abzusterben. Mit dem Bewusstsein von Advent und Weihnachten, das wir in uns haben, gewinnen wir gleichzeitig die Kraft, uns einzumischen in diese Welt und ihre Kreise. Nicht substanzlos, allen gefällig sein wollend, sondern mit Inhalten, die sich von Jesus her definieren: Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Gastfreundschaft, Aufnahme des und der Fremden, Verstehenwollen unbekannter Zusammenhänge und Zwänge, und natürlich mit dem Bemühen, unsere eigene Geschichte nicht zu vergessen, die sich gründet auf den alten Ruf aus dem Psalm 24: “Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe.”

Ich wünsche Ihnen und Euch eine gesegnete Adventszeit, ein froh machendes Weihnachtsfest und ein gutes, von Gott begleitetes Neues Jahr!

Ihr Dr. Dr. Detlef Schwartz
Tourismuspfarrer auf Lanzarote 


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